Workshop mit der Diversitäts-Expertin Sara Mously
Wie schreibe ich divers?
Von Petra Jahn-Firle
Die Diversitäts-Debatte ist auch für uns WORTSCHÄTZE eine wichtige: Wie bilden wir in unseren Texten die Vielfalt unserer Gesellschaft ab? Wie sorgen wir dafür, dass sich niemand ausgeschlossen oder gar diskriminiert fühlt?
Dazu haben wir die Diversitäts-Expertin Sara Mously am 22. Januar 2024 in den Co-Karl nach Fulda eingeladen. Einen ganzen Tag lang hat uns die freie Beraterin und Redakteurin aus Hamburg dafür sensibilisiert, worauf es bei diverser Sprache ankommt. Ganz praktisch haben wir außerdem in verschiedenen Übungen erfahren, wie wir andere Perspektiven einnehmen, Klischees vermeiden und in unseren Texten nicht nur eine gendergerechte, sondern gleichzeitig auch eine diskriminierungsfreie und vielfältige Sprache verwenden können.
Ein hoher Anspruch: Diversität in der kreativen Textarbeit
Einfach ist das nicht, die Sache mit der Diversität. Haben wir doch alle im Laufe unseres Lebens bestimmte Muster erlernt und Medien konsumiert, die uns bewusst oder unbewusst bestimmte Bilder und Geschichten vermittelten.
Diversität in Texten bezieht sich nicht ausschließlich aufs Gendern. Vielmehr geht es um die verschiedensten Dimensionen einer Persönlichkeit, die alle gleichermaßen beachtet werden sollten.

Bildquelle: https://www.diversity.hhu.de/diversity-dimensionen-an-der-hhu/inter-/nationalitaet-und-kultur
Die Gefahr eines verzerrten Bildes
Dass weiße Menschen in Deutschland zu den privilegiertesten auf der ganzen Welt zählen, wird uns erst bewusst, wenn wir uns ernsthaft damit beschäftigen, die Perspektive von anderen einzunehmen. Doch wie oft machen wir das im Alltag? Wie oft versetzen wir uns wirklich in die Lage eines Geflüchteten, der hier in Deutschland gerne arbeiten würde, es aber nicht darf? Oder in die Lage eines erwachsenen Mannes mit Behinderung, der wie selbstverständlich einfach beim Vornamen angesprochen wird, obwohl auch bei ihm selbstverständlich ein „Herr Müller“ angebracht wäre? Oder in die Situation einer Schwarzen Frau, die unter Alltagsrassismus leidet.
Die gesellschaftliche Vielfalt in unserem Land wird oft nicht ausreichend in den Medien repräsentiert. Frauen, die ja die Hälfte der Menschheit ausmachen, wurden in der Vergangenheit in maskulin-gegenderten Texten einfach mitgemeint. Mittlerweile zeigen etliche Studien aus den vergangenen Jahren, dass sich Mädchen und Frauen eben nicht alle angesprochen fühlen, wenn ausschließlich die männliche Form – das generische Maskulinum – verwendet wird. Ebenso ergeht es Menschen, die nicht zur Mehrheitsbevölkerung in Deutschland zählen. Sie lesen eher selten etwas über ihresgleichen – und wenn, dann oftmals im negativen Kontext.
Wir tragen Verantwortung!
Sprache und Texte können diese Effekte, Muster, Klischees und Vorurteile sogar noch verstärken. Auch unbewusst. Daher ist es umso wichtiger, mit kritischem Auge zu hinterfragen, wie Worte bei anderen Menschen ankommen. Wer journalistisch arbeitet, kann zum Beispiel noch öfter mit den Menschen sprechen und sie interviewen, anstatt einfach über sie zu schreiben. Auch für uns Copywriter und Redakteur*innen ist es unerlässlich, gründlich zu recherchieren und zu reflektieren. Besonders wenn es um sensible Themen wie Migration, Rassismus oder Rechtspopulismus geht.
Farbig oder Schwarz – wie ist’s nun richtig?
Nachschlagewerke und Glossare wie die der Neuen Medienmacher sind sehr hilfreich beim Erstellen von diversitätssensiblen Texten und Beiträgen, erklärt Sara Mously. Auch für Text-Profis ist es herausfordernd, alle Begriffe im Diversitäts-Kontext immer gleich parat zu haben. Unterscheiden sich doch manche Begriffe teils nur in Nuancen. Außerdem ändert sich Sprache auch über Jahrzehnte hinweg. So kann es gut sein, dass Menschen mit Rassismuserfahrung statt People of Color (kurz PoC) zukünftig einen anderen Begriff bevorzugen.
Oftmals verwenden wir Sprachbilder oder Redewendungen, weil wir sie schon hunderte Male im Laufe unseres Lebens gehört haben. Dabei lohnt sich eine tiefere Auseinandersetzung. Oder wusstest du, dass der Satz „Jedem das Seine“ durch die NS-Zeit belastet wurde?
In den Medien lesen oder hören wir immer wieder Beiträge, in denen eine moralisch-fragwürdige Sprache verwendet wird. Für ein gesellschaftliches Miteinander ist es jedoch wichtig, diskriminierungsfrei und wertschätzend zu kommunizieren.
Es geht um die Haltung!
Worte haben eine starke Wirkung. Das sollte uns immer bewusst sein. Wer leichtfertig unpassende Phrasen verwendet oder unbedacht andere Menschen sprachlich abwertet, trägt dazu bei, dass sich weiter Fronten bilden. Mit einer Haltung, die andere Perspektiven und Meinungen zulässt, Menschen aus anderen Ländern und in anderen Lebenssituationen ernst nimmt sowie die eigene sprachliche Ausdrucksweise immer wieder kritisch hinterfragt, schaffen wir eher zwischenmenschliche Verbindungen, als dass wir uns immer weiter auseinander bewegen.
Tipps für eine diversitätssensible Sprache
- Gendergerechte Sprache verwenden
- Vielfältige Sprache (auch Bildsprache!) nutzen, die weder Stereotypen bedient noch abwertend, diskriminierend oder beleidigend wirkt
- Mehrsprachige Texte anbieten für Menschen mit wenig bis keinen Deutschkenntnissen
- Übersetzung in Leichte Sprache für Menschen mit kognitiven Einschränkungen
- Barrierefreie Gestaltung zum Beispiel für Menschen mit Sehbeeinträchtigung
Und was ohnehin für gute Texte gilt – ganz gleich ob für journalistisch aufbereitete Artikel, Pressemeldungen oder Marketingtexte:
- Einfache Sprache verwenden, anstatt kompliziertes Amtsdeutsch.
- Immer so konkret wie möglich werden und damit abstrakte, wenig aussagende Phrasen vermeiden.
Divers texten lässt sich üben. Glossare zum Nachschlagen sind nützliche Werkzeuge, genauso wie das regelmäßige Reflektieren und Hinterfragen. Im Netzwerkaustausch gelingt das sogar noch leichter. Das zumindest stellen wir bei den WORTSCHÄTZEN immer wieder fest.
Fazit
Es war ein wertvoller und lehrreicher Workshop-Tag, der bei mir noch länger nachwirkt. Der Diversitäts-Debatte werde ich weiter folgen und meine Texte so diversitätssensibel wie möglich gestalten. Ein hoher Anspruch, der hervorragend zu meiner restlichen Arbeitsweise passt – und zu den WORTSCHÄTZEN erst recht!
Weiterführende Quellen:
https://glossar.neuemedienmacher.de/
https://www.genderleicht.de/ bzw. https://www.genderleicht.de/quellen/
textgenial – Freie Texterin. Podcasterin. Transformationsbegleiterin.
Petra Jahn-Firle
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